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SIEBENBÜRGER SACHSEN: RUMÄNIENS STAATSPRÄSIDENT VERSPRICHT WIEDERGUTMACHUNG

Der Presse entnehmen wir: Staatspräsident Traian Basescu bedauerte in einer schriftlichen Botschaft zu ihrem Heimattag 2012 in Dinkelsbühl den Weggang der Deutschen aus Rumänien als einen großen Verlust für sein Land und sprach sich für eine Wiedergutmachung des von ihnen erlittenen Leids aus. Zugleich stellte er ihnen in Aussicht, im Kommunismus entzogenes Eigentum gemäß dem Prinzip „retitutio in integrum“ – Wiedereinsetzung in den vorigen Stand – zurückzugeben. Er lud die Siebenbürger zur Rückkehr ein und regte an, die jährlichen Begegnungen im heimatlichen Siebenbürgen zu veranstalten.

Ich habe in meinem Buch „DIE EUROPÄISCHE AKTION“ mit vollem Bedacht keine definitive Vorstellung davon entwickelt, wie das Unrecht gegenüber den Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten wieder gutgemacht werden kann. Dies ist ein völkerpsychologisch unglaublich heikles Thema. Wir sollten es jener Zeit anvertrauen, in dem ein europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl so weit gewachsen ist, dass keine erneute europäische Spaltung dadurch zu befürchten ist. Der endgültige Zeitpunkt ist erst gekommen, wenn Europa sich befreit hat und daran gehen kann, durch den seit bald 70 Jahren ausstehenden Friedensvertrag – ohne Einmischung von raumfremden Mächten – die innereuropäischen Grenzen der Nationalstaaten neu festzulegen. Eine vollständige Gerechtigkeit wird allerdings auch dabei nicht erzielt werden können, denn die Geschichte hat die Grenzen zwischen Staaten und Völkern zu allen Zeiten bewegt; und jede europäische Nation war schon einmal größer, als sie heute ist. Denken wir nur an die schier unlösbaren Grenzfragen zwischen Adria, Schwarzem Meer und Ägäis. Um alle Gebietsansprüche zu befriedigen, müsste allein schon der Balkan dreimal so groß sein, wie er nun einmal ist…

Was die deutschen Ostgebiete betrifft, so geht es vornehmlich um Ost- und Westpreußen, Posen, Danzig und das Sudetenland. Aber auch aus anderen, kleineren Landschaften wurden die deutschen Siedler, die dort teilweise seit dem Mittelalter ansässig waren, vertrieben oder verdrängt – oft unter unsäglichen Greueln.

Eine Landschaft, die dabei nicht in vorderster Linie steht und in der sich die Verdrängung bzw. Abwanderung der Deutschen – Siebenbürger Sachsen genannt – zwar in höchst ungerechter, aber vorwiegend in unblutiger Weise vollzogen hat, ist das heute rumänische Siebenbürgen, das bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil der Donaumonarchie Österreich-Ungarn war.

Siebenbürgen, rumänisch Transsilvanien, ist ein hügeliges Hochland zwischen Karpaten und Transsilvanischen Alpen, östlich anschließend an die Ungarische Tiefebene, und ist gut 60’000 qkm groß. Bis zum 2. Weltkrieg lebten darin etwa 3,5 Millionen Menschen. Etwas mehr als die Hälfte waren Rumänen, knapp 30% Madjaren (Ungarn), die man dort „Sekler“ nennt, und 10% Deutsche, eben die Siebenbürger Sachsen. Die bedeutendsten Städte sind Klausenburg, Hermannstadt und Kronstadt.

Siebenbürgen wurde im 9. Jahrhundert von den Ungarn unterworfen. Die ungarischen Könige riefen im 12. Jahrhundert deutsche Kolonisten ins Land. Seit 1541 war Siebenbürgen selbständig unter madjarischen Fürsten, kam aber 1691 mit Ungarn unter habsburgische Herrschaft. Die Pariser Vorortverträge nach dem Ersten Weltkrieg schlugen Siebenbürgen Rumänien zu; durch den Wiener Schiedsspruch vom 30.08. 1940 kam der nördliche und östliche Teil an Ungarn zurück.

Vergessen wir nicht, dass Rumänien in den Dreißigerjahren einen der begabtesten und idealistischsten politischen Führer hervorgebracht hat, den das aufstrebende junge Europa damals kannte: den Führer der Eisernen Garde, Corneliu Zelea Codreanu! Wäre ihm eine Machtübernahme vergönnt gewesen, statt von der Regierung zusammen mit einigen Getreuen in der Nacht zum 30. November 1938 stranguliert zu werden – die Siebenbürger Sachsen hätten, wie alle anderen Rumänen, ein ganz anderes, ein viel günstigeres Schicksal gehabt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg aber fiel das gesamte Siebenbürger Land wieder an das jetzt sowjetisierte Rumänien – und nun begann der Leidensweg der Siebenbürger Sachsen erst recht. Schon in der Zwischenkriegszeit hatten sie kein leichtes Leben gehabt, aber der Kommunismus verstärkte den Druck auf sie so stark, dass die meisten auszuwandern versuchten, weil ihnen die Lebensbedingungen in ihrer Heimat entzogen waren. Der Diktator Ceausescu verkaufte die Deutschen buchstäblich für 10’000 Mark das Stück an die Bundesrepublik. Nach der Wende kam der wirtschaftliche Zusammenbruch in Rumänien, der nochmals zu einem Exodus unter den Siebenbürger Sachsen führte. Heute leben nur noch wenige tausend Deutsche in Siebenbürgen.

Allmählich erkannten die Rumänen aber, welch geistiger und wirtschaftlicher Verlust dadurch entstanden war. Die Siebenbürger Sachsen waren in bäuerlichen, handwerklichen und allgemein wirtschaftlichen Angelegenheiten führend gewesen, hatten hervorragende Schulen gehabt und verhalfen dadurch ganz Siebenbürgen zur Blüte. Das ist nun dahin, und in die leerstehenden deutschen Gehöfte zogen die Zigeuner ein.

Welch großes Vertrauen die Deutschen heute wieder genießen, zeigt sich daran, dass Hermannstadt einen allseits geschätzten deutschen Bürgermeister hat. Vor diesem Hintergrund ist der folgende Aufruf des rumänischen Staatspräsidenten zu verstehen, der an die kürzlich in Dinkelsbühl versammelten Exildeutschen aus Rumänien gerichtet war. Er ist ein Beispiel dafür, wie sich die ungelösten Fragen im Osten mit Einsicht und Vertrauen lösen lassen.

Basescus Botschaft wurde bei der Eröffnung des Heimattages von Cristian Diaconescu, dem Chef des Präsidialamtes und früheren Außenminister Rumäniens, übermittelt. Wörtlich heißt es darin unter anderem:

Einmal im Jahr wird die Stadt Dinkelsbühl zum Begegnungsort der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen, die aus ganz Deutschland, aber auch aus anderen Teilen der Welt – einschließlich aus Rumänien – anreist. Es ist der Ort, wo alte Bande wieder aufgenommen und neue geknüpft werden, wo Sie die Erinnerung an Ihre Herkunftsorte wach halten und wo Sie gleichzeitig, gemeinsam mit Ihren Kindern, in die Zukunft blicken.

Dass Sie Ihre Traditionen und Bräuche bewahren, dass Sie Ihre Wurzeln nicht vergessen haben, ist für mich ein Beweis dafür, dass Sie wahre Europäer in einem geeinten Europa sind, in einem Europa, das wir als Raum der Toleranz, des Wohlstands und des Friedens aufbauen wollen.

Jenseits des festlichen Rahmens bietet die Tatsache, dass Sie Ihre siebenbürgisch-sächsische Identität und Kultur hier in Deutschland zelebrieren, jedoch einen Grund zur Reflektion für die Rumänen und für mich persönlich.

Ich hätte mir gewünscht, dass diese jährlichen Begegnungen in Ihrem heimatlichen Siebenbürgen stattgefunden hätten.

Ich hätte mir gewünscht, dass Ihnen mein Land die Bedingungen geboten hätte, um dort zu bleiben, wo Ihre Vorfahren über acht Jahrhunderte lang einen Raum des Wohlstandes und der Harmonie aufgebaut haben. Wir Rumänen empfinden den Weggang der Siebenbürger Sachsen aus den Regionen, in denen sie gelebt haben, als großen Verlust.

Es gibt zweifellos noch Themen, die aus der älteren oder jüngeren Vergangenheit herrühren und die einer Lösung harren. Diese betreffen sowohl die heute in Rumänien lebenden Bürger als auch jene, die in anderen Ländern eine neue Heimat gefunden haben. Ich versichere Ihnen, dass es mir sehr wohl bekannt ist, dass Probleme wie die Rückgabe des vom kommunistischen Regime willkürlich enteigneten Eigentums ganz wichtige Anliegen Ihres Verbandes sind. Gleichzeitig möchte ich Ihnen zusichern, dass die von Rumänien geförderte Vorgehensweise „restitutio in integrum“ trotz der Schwierigkeiten, die sie dem rumänischen Staat bereitet hat, die gerechte war und bleibt. Das Prinzip wird nicht geändert. Ich bin zuversichtlich, dass Lösungen gefunden werden, die es den Betroffenen ermöglichen, wieder in den Besitz ihres früheren Eigentums, sei es in natura oder in einer anderen Form, zu gelangen.

Desgleichen ist es an der Zeit, dass der rumänische Staat Wiedergutmachung für die Siebenbürger Sachsen betreibt, denen durch willkürliche Maßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg großes Leid zugefügt worden ist. Ich möchte Sie ermutigen, so oft wie möglich nach Rumänien zu kommen. Das heutige Rumänien empfängt all jene mit Freude und Offenheit, die es wieder oder zum ersten Mal entdecken wollen, vor allem die jüngere Generation. Und all jene, die die Vorteile der Investitionen, des attraktiven Geschäftsklimas und der gut ausgebildeten, oft Deutsch sprechenden Fachkräfte nutzen wollen. Sie haben dieses wertvolle Gut, die deutsche Sprache und Kultur, mit einer wunderbaren siebenbürgisch-sächsischen Einfärbung, nach Rumänien gebracht. Ich lade Sie somit ein, zurückzukehren und sich in langfristige Projekte zu engagieren, im Bereich der Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft oder Kultur, in einen Raum, der vielen von Ihnen noch so stark vertraut ist. Dies ist eine Chance, die wir uns gegenseitig gewähren sollten, zum Wohle unserer gemeinsamen europäischen Zukunft.

Nicht zuletzt möchte ich meine Wertschätzung für die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen zum Ausdruck bringen, die eine Brückenrolle in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland wahrnimmt und aktiv dazu beiträgt, dass sich diese Beziehungen zu einem Modell auf europäischer Ebene entwickeln.

Abschließend wünsche ich Ihnen, den Siebenbürger Sachsen, dass Sie mit gleicher Hingabe die Bräuche Ihrer Vorfahren weiterführen mögen als eine lebendige Flamme Ihrer Identität. Wesentlich für die Zukunft ist die Weitergabe dieser Traditionen und des Gemeinschaftsbewusstseins an die junge Generation.“

Veröffentlicht am Allgemein Standpunkt