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GÜNTER GRASS UND KEIN ENDE

Eigentlich betrachte ich es nicht als meine Aufgabe, jedes Ei zu kommentieren, das die gackernden Hühner des Systems legen. Und dass Sie, Günter Grass, zu diesen Hühnern gehören, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Ihre unappetitlichen Bücher und der Literatur-Nobelpreis, den Sie dafür gekriegt haben, sind Beweis genug. Ebenso Ihr jahrzehntelanges Engagement als SPD-Propagandist und -Wahlhelfer. Dass Sie vor wenigen Jahren zugegeben haben, als junger Bursche freiwilliges Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, spricht allerdings nicht so sehr gegen Sie als gegen das Unterscheidungsvermögen der zuständigen Offiziere, die einen Günter Grass aufnahmen. Aber gut, es war Krieg, und da hat man halt jeden eingestellt…

Aber nun haben Sie – als das gehätschelte Gewissen der (BRD-)Nation – einen Sturm im Wasserglas entfacht: Sie haben ein Gedicht geschrieben in der Sorge um einen israelischen Erstschlag gegen Iran. Und gleich ging das vorhersehbare Geheul los. Der Zentralrat der Juden schreit Zeter und Mordio, der israelische Botschafter namens Nashorn (oder so ähnlich) ruft „Haltet den Dieb!“ und meine Freunde bedrängen mich, ich müsse das kommentieren.

Na denn: Günter Grass schreibt also ein Gedicht! Nun, sage ich als Fachmann für Lyrik, selbstverständlich ist es gar kein Gedicht. Es ist nur ein Prosatext mit willkürlich abgebrochenen Zeilen, ohne alles, was ein Gedicht zum Gedicht macht. Aber das wollen wir Ihnen nicht vorwerfen, das ist heute so üblich, seit irgendeiner jener 68er-Ästheten verfügt hat, „nach Auschwitz“ könne man keine Gedichte mehr schreiben.

Ja, mein lieber Herr Grass: „Nach Auschwitz“ kann man halt auch keine Juden mehr kritisieren, selbst in einem Gedicht nicht, und selbst wenn das Gedicht gar kein Gedicht ist. Ihre Sorge um die Sicherheit der Welt und das Leben des iranischen Volkes ist ja löblich, aber das hätten Sie sich früher überlegen müssen. Hätten Sie damals mit ihren Kameraden den Krieg gewonnen, hätten wir jetzt diese Probleme nicht. Und wären Sie nach dem verlorenen Krieg um Objektivität und Gerechtigkeit bezüglich dieses Krieges bemüht gewesen, so bestünde heute wenigstens eine kleine Chance, den elenden kriegstreiberischen Zionismus als das zu bezeichnen, was er wirklich ist. Aber Sie, Herr Grass, haben jahrzehntelang den Stiefellecker des Systems gemacht und zusammen mit Ihren Spießgesellen im „deutschen“ Literatur- und Medienbetrieb dafür gesorgt, dass Ihr eigenes Volk nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, dass es sich selbst als Verbrechervolk, die Juden aber als die ewigen erbarmenswürdigen Opfer der Weltgeschichte einstuft.

Es ist schlicht und einfach verlogen, wenn Sie jetzt daherkommen und sich moralisch entrüsten über die israelischen Kriegsvorbereitungen. Wenn Israel und die hinter ihm stehende Lobby meinen, ein Atomschlag gegen Iran sei nötig, werden sie sich von einem jammernden bundesrepublikanischen Literaten davon nicht abbringen lassen, der bei jeder Gelegenheit beteuert, ein Freund Israels und Feind einer selbständigen und starken deutschen Politik zu sein. Da Sie ein eifriger Verfechter der Holocaust-Religion sind, müssen Sie den Juden schon zugestehen, alle Maßnahmen zu treffen, die sie für unumgänglich halten, damit „so etwas“ nie wieder geschieht. Wer A sagt, muss auch B sagen, Herr Grass. Insofern ist Frau Merkel konsequenter als Sie, wenn sie den Israelis U-Boote liefert.

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zu Ihrer Kinderstube: Einen Staatsmann wie Dr. Mahmud Achmadinedschad als „Maulhelden“ zu bezeichnen ist an und für sich schon eine Frechheit. Dann aber ist es vor allem eine inhaltliche Unrichtigkeit. Als „Maulhelden“ bezeichnet man im Deutschen einen, der mit dem Maul ficht, aber Fersengeld gibt, wenn es ernst gilt. Auf den iranischen Präsidenten trifft das Gegenteil zu. Vielleicht schauen Sie sich nochmals das jüngst vom ZDF ausgestrahlte Interview mit Achmadinedschad an. Wenn Sie mir hier einen Satz zeigen können, der von einem Maulhelden gesprochen wird, dann lade ich Sie in eine Döner-Bude zum Mittagessen ein – und das will bei mir etwas heißen! Als Moderator aber finden Sie in diesem Interview einen Landsmann von Ihnen, der Ihnen an Ungezogenheit nichts nachgibt.

Veröffentlicht am Allgemein Standpunkt