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DIE LIBYSCHE TRAGÖDIE

Die Rauchschwaden über Libyen verziehen sich; der Vorhang senkt sich über ein weiteres Trauerspiel, für das die amerikanische Führung mit ihren zionistischen Drahtziehern verantwortlich ist. Oberst Gaddafi scheint ermordet zu sein, der libysche Musterstaat – Vorbild für ganz Afrika – vernichtet.

Wer nach Gründen für diese Tragödie sucht, braucht nicht weit zu laufen. Libyen ist ein Opfer des „Krieges gegen den Terror“, den Bush junior nach dem 11. September 2001 ausgerufen hat. Der 11. September wurde bekanntlich inszeniert, um künftig gegen alle „Schurkenstaaten“ ohne langes innen- und außenpolitisches Vorspiel losschlagen zu können.

Dabei stand keineswegs das libysche Öl im Vordergrund – sowenig wie im Irak. Die unmittelbare Kontrolle über diesen Energieträger ist für den Westen willkommen, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist der erfolgreiche libysche (bzw. irakische) Gegenentwurf zum american way of life, zur Pax americana, zum liberalkapitalistischen Ausbeutersystem, zur „freiheitlich-demokratischen“ Heilslehre.

Darüber hinaus fürchtete man im Weißen Haus – nicht ohne Grund – dass ganz Afrika unter libyscher Führung in ein zunehmend distanziertes Verhältnis zu den USA geraten würde, und dass die Konkurrenz – China, Russland, Indien – daraus Nutzen ziehen könnte. In diesen Zusammenhang gehört, dass Gaddafi eine afrikanische Zentralbank mit Sitz in Libyen plante, die den afrikanischen Kontinent wenigstens teilweise aus den Klauen des staatenlosen Großkapitals herausgelöst hätte. Vollständig gelingen könnte ein solches Unterfangen natürlich nur unter dem Schutz einer Großmacht. China scheint diese Macht nicht zu sein, denn sonst hätte es der monatelangen Bombardierung Libyens nicht tatenlos zugeschaut. Von Europa wollen wir lieber schweigen…

Zur Erinnerung an Gaddafis Leistungen hier ein kurzer Überblick:

Am 1. September 1969 putscht Muammar al-Gaddafi mit seinem „Bund freier Offiziere“ gegen die Monarchie des korrupten Königs Idris und ruft die Republik aus. Er selbst wird Staatschef. Er beginnt sofort mit dem Aufbau eines laizistischen volkssozialistischen Staates. Die militärischen Stützpunkte der USA und Großbritanniens werden geschlossen, viele Ausländer und Juden des Landes verwiesen. Der Alkohol wird verboten.

Im Jahr darauf beginnt die Verstaatlichung des ausländischen Besitzes, insbesondere der Ölindustrie. Die Gewinne daraus investiert Gaddafi in das unentgeltliche staatliche Bildungs- und Gesundheitswesen. Er schafft ein Bewässerungssystem, das es dem Wüstenstaat erlaubt, sich landwirtschaftlich selbst zu versorgen.

1973 erklärt er den Islam zur Alternative sowohl zum kapitalistischen Materialismus als auch zum kommunistischen Atheismus („3. Internationale Theorie“). 1976/77 wird die direkte Demokratie proklamiert auf der Grundlage des Koran und des „Grünen Buches“ von Gaddafi.

Der Staatschef ergreift weitreichende sozialpolitische Maßnahmen: Wohnungsbau, Erhöhung der Mindestlöhne, Subventionierung von Grundnahrungsmitteln, von Strom, Gas und Treibstoff. Seit 1973 werden die Arbeiter an den Unternehmensgewinnen beteiligt.

Dank diesen Maßnahmen hatte Libyen das geringste Wohlstandsgefälle und zugleich das höchste Bruttoinlandprodukt in ganz Afrika: je Einwohner 9400 Dollar jährlich. In Tunesien waren es 3400 Dollar, in Ägypten 1700. Zudem war Libyen schuldenfrei.

In Libyen gab es keine Bürgerkriege, keine Flüchtlinge und Binnenvertriebene, keine Kindersoldaten wie sonst überall in Afrika. Libyen war das Land mit der geringsten HIV-Infektionsrate, der niedrigsten Kindersterblichkeit und der höchsten Lebenserwartung in ganz Afrika. (Diese Angaben entnehmen wir dem „dtv-atlas Weltgeschichte“, München 2010, S. 618-626)

Der Wohlstand erlaubte Libyen auch den Aufbau einer angemessenen Landesverteidigung. Ihre Qualität erwies sich darin, dass es den NATO-Aggressoren erst nach fast acht Monaten und Tausenden von Luftangriffen gelang, den libyschen Widerstand zu brechen.

Dieser Krieg hatte bekanntlich ein Vorspiel: Nach Zwischenfällen bei US-Manövern aufgrund amerikanischer Provokationen flog schon 1986 die amerikanische Luftwaffe Angriffe gegen Tripolis und Bengasi. 1988 wurde Libyen vom Westen eines Flugzeugattentats bezichtigt. Ab 1992/93 erfolgten deswegen UN-Sanktionen und eine Wirtschaftsblockade. Es war also alles von langer Hand vorbereitet.

Jetzt ist Gaddafi tot, sein Werk zerstört. Die Blutspur des amerikanisch-zionistischen Monstrums hat sich in den letzten siebzig Jahren von Deutschland und Japan nach Vietnam gezogen, vom Fernen in den Nahen und Mittleren Osten, nach Palästina, in den Irak und nach Afghanistan, zwischendurch nach Serbien, immer wieder – offen oder verdeckt – nach Afrika und Lateinamerika, und jetzt eben nach Libyen. Die ganze Welt weiß, dass Syrien und der Iran die nächsten Opfer dieser tollwütigen Bulldogge sein werden. Die israelische Führung hat in den letzten Tagen wieder offen den Militärschlag gegen den Iran angedroht.

Bisher haben die fremdbestimmten europäischen Völker geschwiegen, ihre korrupte Führung hat geklatscht und mitgemacht. Es könnte der Tag kommen, an dem die Europäer aufwachen und das Klatschen aufhört. Das wird dann sein, wenn sich die Weltfinanzkrise zur echten Wirtschaftskrise entwickelt, die auch den verfetteten und feigen Europäer von heute zwingt, sich grundsätzliche Fragen zu seinem Staats- und Wirtschaftssystem zu stellen und andere Lösungen zu suchen.

Veröffentlicht am Allgemein Standpunkt